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Wir alle leben in einer schnelllebigen und von zahlreichen Reizen geprägten Umgebung. Für viele Menschen bedeutet das eine Menge Stress. Als Ausweg werden oft Atemübungen vorgeschlagen. Aber mal ehrlich: Wer hat denn überhaupt noch Zeit dafür?

Wege aus dem Stress heraus zeigte die Mental Health Awareness Week vom 4. bis 8. Mai für Studierende der CAU. Fünf Tage lang lud ein vielseitiges Programm aus (Online-)Vorlesungen, Workshops und Entspannungsübungen dazu ein, sich mit seinem eigenen mentalen Wohlbefinden auseinanderzusetzen.

Da psychische Belastungen in der Gesellschaft oft immer noch ein Tabuthema sind, fühlen sich viele Menschen, als wären sie mit ihren Problemen allein. Aber das täuscht, denn mehr als jede sechste Person studiert mit Einschränkungen. Davon leben circa 65Prozent mit psychischen und 13 Prozent mit chronischen Erkrankungen, wie die Studierendenbefragung des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) herausfand. 

Ramona López von der Beratung des Studentenwerkes Schleswig-Holstein berichtet in ihrer Präsentation »Selbstfürsorge im Studium« über die häufigsten Gründe psychologischer Beratung an der CAU. An erster Stelle stehen depressive Verstimmungen, gefolgt von Stressbewältigung, Identitäts- und Selbstwertproblemen sowie Ängsten.

Stress im Studium

Ramona López fasst in Worte, worüber sich viele täglich den Kopf zerbrechen: Ein Studium ist auf Überforderung angelegt und es ist einfach nicht möglich, den ganzen angebotenen Stoff zu lernen. Ein paar Erkenntnisse aus der Wissenschaft können helfen, Stress und negative Gedanken perspektivisch einzuordnen. Untersuchungen der Queen‘s University (Kingston) zeigten, dass jeder Mensch täglich 6 000 Gedanken hat. 95 Prozent davon laufen unterbewusst ab. Tatsächlich sind laut der Akademie für Neuromentaltraining nur 3 Prozent der Gedanken positiv. Der Rest ist entweder neutral oder negativ.

Weitere Forschung aus der Neurowissenschaft zeigt, dass sich Probleme größer anfühlen, je mehr man darüber grübelt. Denn dadurch verstärken sich die neuronalen Verbindungen, die mit diesen Gedanken verbunden sind. Statt also Probleme zu zerdenken, sollte man nun doch auf die Atemübungen zurückgreifen. Dafür ist nicht jeden Tag die empfohlene Zeit nötig. Die Übungen können ganz einfach in den Alltag integriert werden. Jedes Mal, wenn man Anzeichen von Stress oder Verärgerung spürt, sei es an der Supermarktkasse, in der Uni oder am Abendbrottisch mit der Familie, kann man sich einmal kurz zurücklehnen und tief einatmen. 

Ein paar Atemübungen

Es gibt wahrscheinlich genauso viele Atemübungen wie Stresssituationen. Eine viel praktizierte Methode mit Ursprung in alten Yogapraktiken ist das Boxbreathing: vier Sekunden einatmen, vier Sekunden halten, vier Sekunden ausatmen, vier Sekunden halten und wiederholen. Die Intervalle können angepasst oder gesteigert werden. Alternativ gibt es die Fünf-Finger-Atmung. Hierfür fährt man mit dem Zeigefinger den Daumen der anderen Hand hoch und atmet ein. Beim Ausatmen fährt man den Finger wieder herunter und geht zum nächsten Finger über. Auch eine sehr bekannte und aus dem Yoga stammende Übung ist die Wechselatmung. Dabei wird abwechselnd durch das linke und rechte Nasenloch ein- und ausgeatmet, während das andere mit dem Daumen oder Ringfinger zugedrückt wird.

Ihr müsst da nicht alleine durch

Wenn die Herausforderungen zu groß werden, gibt es für Studierende einige Möglichkeiten, sich kostenlose Unterstützung zu suchen. Die psychologische Beratung des Studentenwerks bietet fünf Sitzungen pro Anliegen an und auch beim AStA gibt es ein Beratungsangebot. Für Meditation und Achtsamkeit gibt es empfehlenswerte Apps, wie zum Beispiel Insight Timer7Mind oder happify.

Bevor ihr gleich den nächsten Artikel lest, wäre jetzt doch ein geeigneter Moment, um eine der Atemübungen mal auszuprobieren. Denn Zeit fürs Atmen lohnt sich immer!

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