Es wirkte befremdlich, gar beklemmend. Polizeiwagen, Wasserwerfer, gepanzerte Polizeifahrzeuge und Hundertschaften der Polizei, teils in Kampfmontur, prägten das Bild in der beschaulichen Klein- und Kreisstadt Bad Oldesloe. Sogar ein Hubschrauber kreiste über der Stadt. Busse und Züge fuhren nicht. Der Grund: eine Demonstration, angemeldet von der NPD mit dem Motto „Gemeinsam für Deutschland“. An diesem Samstag wollte die NPD durch die 23.000-Einwohner-Stadt ziehen und zwei Kundgebungen abhalten. Es wurden nicht viele, die dem Aufruf der NPD folgten. Als die Gruppe von nicht mehr als 90 Rechten auf dem Bahnhofsvorplatz auftauchte, mit Schleswig-Holstein- und „Refugees not welcome“-Flaggen, wurden sie von schätzungsweise 200 bis 300 Gegendemonstranten mit Sprechchören, Flaggen und Plakaten begrüßt. „Nazis raus!“ und „Haut ab!“, wurde den rechten Demonstranten lauthals entgegengerufen. Diese erwiderten die Sprechchöre mit dem Ausrollen von Transparenten mit den Sätzen „Asylbetrug stoppen!“ oder „Volksgemeinschaft supergeil!“.

Zuvor hatte ein breites Bündnis von Parteien, Gewerkschaften und Vereinen einen Gegendemonstrationszug veranstaltet. Schätzungsweise 1000 Menschen nahmen daran teil, was die Demo zur größten machte, die Bad Oldesloe je erlebt hat. Die Polizei sprach laut SHZ von 800 Teilnehmern; auch 200 Linksautonome nahmen teil. Sie zogen durch die Innenstadt und protestieren für ein buntes, weltoffenes und tolerantes Bad Oldesloe. An der Gegendemonstation nahmen Menschen aller Alterklassen und gesellschaftlichen Schichten, Familien, Schüler, Studenten und Rentner teil. Auch politische Prominenz war durch den Bundestagsabgeordneten Konstantin von Notz (B’90/Die Grünen) vertreten. Die Gegendemonstranten schafften es die geplante Kundgebung der Rechten, die eigentlich um 13 Uhr stattfinden sollte, um gut zwei Stunden zu verzögern.

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Die Demonstation verlief größtenteils friedlich. Allerdings meldet die Polizei auf Facebook und Twitter, dass vereinzelt Steine und Flaschen auf die Polizisten geworfen und Müllcontainer angezündet wurden. Pyrotechnik soll auch zum Einsatz gekommen sein, Pfefferspray wurde eingesetzt. Von welcher Seite die Angriffe auf Polizisten kamen, blieb offen. Auch der Demonstrationszug der Rechtsaktivisten wurde häufiger durch Blockaden an seinem Marsch gehindert, weshalb er verkürzt werden musste. Um 16 Uhr fand die Abschlusskundgebung der NPD-Demonstration statt. Mehrfach wurden Straßen und Schienen blockiert, weshalb es erforderlich war, mehrere Personen in Gewahrsam zu nehmen. Insgesamt wurden nach Informationen der SHZ sechs Demonstranten in Gewahrsam genommen; fünf davon aus dem linken Spektrum und eine aus dem rechten. Eine Person wurde dabei leicht verletzt. Die Demonstrationsteilnehmer wurden bei der Abreise mit dem Zug getrennt.

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Warum aber Bad Oldesloe, welches sonst nicht für eine starke rechte Szene bekannt ist, als Demonstrationsort gewählt wurde, bleibt offen. Es gibt dazu bislang nur Spekulationen: von Hintermännern aus der Umgebung bis hin zur Hoffnung, dass Russland-Deutsche an der Demo teilnehmen würden. Die Bad Oldesloer haben aber trotz alledem erfolgreich gezeigt, dass in ihrer Stadt kein Platz für Nazis, Rassismus und Intoleranz ist.

Fotos: Rune Weichert

Autor*in

Rune ist 21 und studiert seit 2013 an der CAU Politikwissenschaft und Skandinavistik. Seit 2014 ist er beim ALBRECHT dabei. Nebenbei ist er auch beim Campusradio als Nachrichtenredakteur tätig.

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