Tristan und Isolde, die Geschichte eines tragischen Liebespaares, vereint durch Magie, bedroht durch Verrat, gelebt in ihrer eigenen Welt, bietet eine Stofftradition, die seit Jahrhunderten immer wieder Beachtung in den verschiedensten Bearbeitungen fand. Richard Wagner gelangte mit seiner musikalischen Interpretation der mittelalterlichen Vorlage Gottfrieds von Straßburg zu großem Weltruhm. Zu sehen ist die Wagner-Oper nun im Kieler Opernhaus.

Tristan, Neffe des Königs Marke von Kornwall, erschlägt den irischen Fürsten Morold, um der Zinspflicht zu entgehen. Im Kampf verletzt er sich und wird von Morolds Verlobter Isolde unter dem Decknamen Tantris geheilt. Isolde erkennt den Mörder, kann ihn durch ihre aufflammende Liebe zu ihm jedoch nicht töten. Tristan erwidert ihre Gefühle und will sie dennoch mit seinem Onkel Marke vermählen. Auf dem Weg nach Kornwall trinken Isolde und Tristan einen Sühnetrank. Ihre Vertraute Brangäne vertauscht jedoch den Todes- mit dem Liebestrank, wodurch sich beide ihre Liebe gestehen. Trotzdem wird Isolde die Frau Markes. In seiner Abwesenheit kommt es zu einem heimlichen Treffen zwischen Isolde und Tristan. Sie beschließen gemeinsam zu sterben, um im Tod vereint zu sein. Verraten durch Melot, entdeckt Marke die Liebenden. Melot verletzt Tristan lebensgefährlich, der von seinem Freund Kurwenal in eine Burg gebracht wird. Kurz bevor er stirbt, erreicht ihn Isolde, die ihm dann in den Tod folgt.

Isolde (Jane Dutton) trauert um den toten Tristan (Bryan Register). Foto: Olaf Struck
Isolde (Jane Dutton) trauert um den toten Tristan (Bryan Register).
Foto: Olaf Struck

Das Stück beginnt mit dem berühmt gewordenen ‚Tristan-Akkord‘ (f-h-dis-gis), der in die Todesthematik einführt und bereits die ganze Dramatik des Werkes erahnen lässt. Ein Seemann steht auf einer hölzernen Schräge mit dem Rücken zum Publikum. Rauch umgibt ihn, ein kleines Boot wird von oben herabgelassen. Aus der Dunkelheit steigen zwei Frauen aus einer Luke dieser Schräge, die das Schiff auf dem Weg nach Kornwall darstellen soll. Das Bühnenbild dieses ersten Aktes ist genauso schlicht eingerichtet wie die Kostüme der Darsteller. Die Konzentration liegt ganz auf diesen Stimmen, die sich als Isolde (Jane Dutton) und Brangäne (Marina Fideli) herausstellen. Der Fokus auf die Musik wird auch durch das reduzierte Schauspiel unterstrichen. Alles wird auf das Notwendigste beschränkt. Die Handlung des ganzen Stückes spielt sich vor allem im Seelenleben der Protagonisten ab. Was sich in Irland zutrug, wird erst von Isolde thematisiert, die die Geschichte um Morold und Tristan (Bryan Register) ihrer Vertrauten erzählt. Bereits hier zeigt Isolde-Darstellerin Jane Dutton ihre Stimmgewalt und überzeugende schauspielerische Leistung. Zur Einnahme des Sühnetrankes begeben sich Tristan und Isolde in das Holzboot. Brangäne unterbricht das liebende Paar, nachdem sie sich ihre Gefühle gestehen. Herabfallender Regen beendet den ersten Akt.

Foto: Olaf Struck
Foto: Olaf Struck

Der zweite Akt zeigt ein Bühnenbild, das aus nichts als einem kastenähnlichen Gerüst besteht. Isolde trägt nun ein weißes Gewand, Tristan ist in dunklen Farben gekleidet. Eine Opposition wie der Tag und die Nacht, die sie in ihrem Liebesduett besingen. Sie befinden sich in dem Gerüst, das wie ein offenes Zimmer ihres eigentlich heimlichen Treffens wirkt. Das Licht ist nur auf sie gerichtet. Der ganze Akt gehört den Liebenden. Zwischen Phasen des Küssens und Berührens äußern sie ihren gemeinsamen Wunsch, zu sterben. Der Betrug fliegt auf, es kommt zum Duell zwischen Tristan und Melot. Der Schwerthieb Melots, der Tristan trifft, wirkt etwas dilettantisch – Tristan-Darsteller Register klemmt sich das Schwert lediglich unter den Arm.

Der dritte Akt spielt in einem dunklen Burgzimmer mit schwarz marmorierten Wänden. Tristan liegt verwundet auf einem Stuhl in der Mitte. Drei weitere schwarze Stühle, die Grabsteinen gleichen, befinden sich an den gegenüberliegenden Wänden. Während des Aktes kommen in regelmäßigen Abständen drei zu Netzen gewobene Wände herab, die Tristan und Kurwenal immer wieder einschließen. Zudem rücken die Außenwände immer näher, welche ein Entkommen erschweren. Nachdem Isolde schlussendlich eintrifft, stirbt Tristan. Das letzte Netz verbirgt Isolde und den leblosen Tristan und Isolde bleibt mit dem Rücken zum Publikum zurück.

Foto: Olaf Struck
Foto: Olaf Struck

Die Inszenierung überzeugt durch ausdrucksstarke, stimmgewaltige Sänger und ein fantastisches Philharmonisches Orchester unter der Leitung von Georg Fritzsch. Bühnenbild, Lichttechnik und Kostüme unterstreichen die Intention des Stückes. Herausragend sind Isolde- und Tristan-Darsteller Jane Dutton und Bryan Register, die ihre Rollen überzeugend ausfüllen. Wagner-Fans werden diese Aufführung lieben, alle anderen brauchen vor allem Sitzfleisch: Die Oper dauert fünf Stunden, inklusive Pausen. Dennoch lohnt sich ein Besuch in jedem Falle! Noch bis zum 13. Juni ist das Stück im Kieler Opernhaus zu sehen.

Autor*in

Jasmin studiert Soziologie und Germanistik an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel und ist seit April 2012 Mitglied der Redaktion. Von Januar bis April 2013 war sie für das Gesellschaftsressort tätig. Von Mai 2013 bis April 2014 hat sie die Chefredaktion der Printausgabe übernommen.

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