Was wird eigentlich für eine Demonstration benötigt? Ein Thema, dass möglichst viele Menschen beschäftigt und zur Demo bringt? Gute Laune? Vielleicht eine gute Moderation und gute Redebeiträge? Banner? Fahnen? Alles richtig und wichtig, aber am meisten braucht es Planung und Menschen, die das Geplante umsetzen. 

Der globale Klimastreik am 15. September war mittlerweile der dreizehnte in Kiel. Chaotisch ist es teils immer noch, wenn auch weniger als früher. Die Abläufe einer Demonstrationsanmeldung sind bekannt. Verschiedene Start- und Endpunkte wurden schon genutzt und auch bei der Demoroute gibt es Vorlieben und Erfahrungswerte. Erlebnisse, auf die zurückgegriffen werden kann, wenn es um die Planung geht. Wenn das alles so einfach ist, was kann da schon schieflaufen? 

Das Demo 1×1 

Zu Beginn passierte erstmal gar nichts. Das Datum wurde im Mai bekannt gegeben und es wurde sich vorgemerkt, aber die Planung konnte ja noch warten. Erst knapp zwei Monate vorher wurde diese so langsam begonnen. Zuerst muss das Grundlegende geklärt werden. Wo ist der Startpunkt? Wo läuft der Demozug lang? Wo endet die Demo und wie? Es gab verschiedene Ideen, aber am Ende hat sich der Exerzierplatz durchgesetzt. Relativ zentral und groß genug, um viele Menschen zu sammeln. Bei der Route war es schon etwas komplizierter: Lieber über die Kiellinie zum Landtag oder wieder über die Bundesstraße? Am Ende ist es keins von beiden geworden. „Über die Bundesstraße ist zwar symbolischer, aber dort sind auch weniger Menschen, die wir erreichen können. Die jetzige Route geht mehr durch Gebiete, wo Menschen leben und erreicht werden können.“, so Jendra. Deswegen ging die Route vom Exerzierplatz runter zum Rathaus, weiter zum Schloßgarten und von da aus die Brunswiker Straße hoch Richtung Lehmberg. Dann nur noch den Knooper Weg wieder zurück Richtung Exerzierplatz. Start- und Endpunkt gleich zu wählen, macht Sinn, weil dann die Menschen dort ihr Rad stehen lassen können und es nicht auf der Demo mitschieben müssen.  

Mit dem Wichtigsten aus dem Weg geht es an die restliche Planung. Eigentlich genauso wichtig, aber ohne Startpunkt und Route wäre eine Demonstration kompliziert. Der Ablauf dabei ist relativ klar. Einmal wöchentlich wird sich zum Plenum getroffen. Dort werden die Aufgaben verteilt und besprochen, was noch gemacht werden muss. Technik muss getestet werden, Plakate und Sticker designt und bestellt werden, eine Band finden, Redner*innen und Moderation organisieren, Pressetexte vorbereiten, eine Bühne leihen, Funkgeräte und und und. Da kommt mehr als erwartet zusammen. Aber von Anfang. Sticker und Plakate werden bundesweit bereitgestellt. Welche Sticker- und Plakatdesigns kann jede Ortsgruppe selbst entscheiden. Sie sind zwar nicht ortsspezifisch, aber helfen gerade kleineren Ortsgruppen, wenn diese nicht die Ressourcen haben, Plakate selber zu designen und zu drucken. Dazu werden noch kielspezifische Designs für Plakate erstellt, die bei der Hansadruck gedruckt werden. Gleichzeitig muss auch der Ablauf der Demo geplant werden. Wer hält einen Redebeitrag und wann ist dieser? Wann spielt die Band und wie lange? Das heißt Redner*innenlisten erstellen, andere Organisationen anfragen, ob sie einen Redebeitrag halten wollen, die Moderation finden und auch eine Band suchen. Meistens gibt es ein Repertoire an Organisationen, die entweder selbstständig anfragen, ob sie einen Redebeitrag halten können oder auf Anfrage meistens bereit sind. Bei der Musik gestaltet es sich dieses Mal schwieriger. Anfragen bei den großen Bands wie den Leoniden laufen meistens ins Leere. Die Band ‚Lio in the Lioncage’, die beim letzten globalen Klimastreik am 3. März gespielt hatte, schafft es leider zeitlich nicht. Also geht die Suche los. Durch Zufall kennt ein Mensch von FFF über Ecken die Schüler*innenband ‚The Flying Kangaroos’. Wie beim Klimastreik vorher spielt die Band wieder, wenn der Demozug zurück auf den Exer läuft. 

Es wäre zu einfach, wenn alles glatt läuft 

In den letzten Wochen vor dem Klimastreik gibt es dazu noch sogenannte Mobi-Treffen. Dabei werden Plakate gekleistert, die Plakatträger aufgehangen, gestickert und alles andere gemacht, was für die Demo benötigt wird. Die Lautsprecher und AUX-Kabel werden getestet, das Lastenrad wird rudimentär repariert, sodass es wieder fährt. Zudem wird noch eine größere Aktion im Voraus des 15. Septembers geplant. Eine Fahrraddemo gegen den Ausbau von Autobahnen wie der Südspange und die verfehlten Klimaschutzziele. Die Aktion ist schnell und einfach geplant, kann neben den Vorbereitungen für den Klimastreik umgesetzt werden und dient gleichzeitig als Werbung für den Klimastreik.   

Knapp zwei Wochen vor dem 15. September gibt es eine kleine Schocknachricht. Bei der Anmeldung der Plakate ist ein Fehler unterlaufen. Statt der Standorte für die Demonstration und der drei Zubringer wurden 140 Standorte für die Demo gemeldet. Eigentlich sollten nur die 4 Standorte angemeldet werden. Erlaubt wurden deshalb nur 30 Plakate im Umkreis von einem Kilometer vom Exerzierplatz. Wenigstens etwas, aber trotzdem muss die Demo ja beworben werden. Glücklicherweise konnte schnell mit Thomsen Werbemittelvertrieb abgesprochen werden, dass sie ein Teil der Plakate in den Werbeträger aufhängen. Gleichzeitig wurde beim Amt weiter versucht, die Genehmigung für mehr Plakate zu bekommen.  

Auf den letzten Drücker 

Normalerweise wird ein LKW als Bühne angemietet. Es muss sich nur frühzeitig drum gekümmert werden. Eine Woche vor dem Streik ist allerdings zu spät. Kein passender LKW ist nördlich von Hamburg noch ausleihbar. Was jetzt? Keine Bühne? Die Ortsgruppe Hamburg fragen, ob sie einen der ihrer gemieteten LKWs an Kiel ausleihen können? Die Zeit war knapp und eine Lösung musste schnell her. Am Ende wurde doch noch eine gefunden. Zwar kein LKW, sondern eine kleine, mobile Bühne, aber ausreichend. „Die Bühne war leider nicht so hoch wie eine LKW-Ladefläche. Die wäre besser gewesen!“, meint Milan. 

In der Woche vor dem Klimastreik noch die Überraschung. Rund um die Zubringer dürfen doch Plakate aufgehängt werden. Schnell werden die restlichen Plakate gekleistert und aufgehangen. Ob sie noch die gewünschte Wirkung erzielen werden, steht auf einer anderen Karte. 

Es wird ernst 

Am 15. September heißt es nur noch so schnell wie möglich alles aufbauen und zum Exerzierplatz bringen, bevor um 14 Uhr der Klimastreik startet. Deswegen finden sich ab 8:30 Uhr die ersten Menschen an der alten Mu ein. Es müssen die Lautis, also die Lastenräder bestückt mit den Lautsprechern, aufgebaut und zum Exerzierplatz gefahren, Technik zusammengepackt, Banner rausgesucht und Ordner*innenwesten verteilt werden. Auf dem Exer muss die Technik aufgebaut werden. Die Bühne ist zwar nicht so groß wie eine LKW-Ladefläche, reicht aber für die Band und die Redner*innen. Bevor man sich versieht, ist es 14 Uhr und der Platz füllt sich mit Menschen. Die Moderation Gunde geht auf die Bühne, begrüßt die Menschen und etwas später läuft der Demozug los Richtung Rathaus. 

Autor*in
Stellv. Chefredakteur und Layouter

Joschka studiert seit dem Wintersemester 20/21 Soziologie und Politikwissenschaft und ist seit Ende 2022 Teil des Albrechtsteams. Dazu leitet er seit dem März 2023 das Layoutteam und ist seit Februar 2024 stellvertretende Chefredaktion.

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