Den Cash-Catch-Trend gibt es mittlerweile auch in Kiel 

20 Euro im Schrevi, ein Zehner in Gaarden und Tickets für das Max im Schlosspark. Der neueste Social-Media-Trend des Cash Catchings – also das Verstecken von Geld und dann Hinweise geben auf Social Media – ist mit dem Instagram-Account @cashcatchkiel auch in unserer Stadt angekommen. Wir haben den Betreiber des Accounts getroffen und gefragt, warum er den Trend aus den Niederlanden nach Schleswig-Holstein geholt hat und wie er eigentlich das versteckte Geld finanziert. 

Da fiel die Antwort erstmal ganz plump aus: „Das finanziere ich zurzeit noch aus eigener Tasche. Ich habe mir aber ein Budget für diesen ‚Spaß’ gesteckt, das ich nicht überschreiten möchte. Und wenn der Account mal richtig gut läuft und ich Kooperationen eingehen kann, hoffe ich mit einem Nullsummenspiel wieder rauszugehen.” Tatsächlich, der Account ist gar nicht mal klein. Mit knapp 8 000 Follower*innen werden bis zu 50 000 Aufrufe pro Video generiert. Zunächst zeigt er in seinen Videos immer das Versteck des Geldes in einer Nahaufnahme, bevor er dann mit der Kamera einen Schwenk macht, um so die ungefähre Lage anhand eines markanten Objektes preiszugeben. Dann liefern die Werft-Brücke am Ostufer im Hintergrund oder ein Anschnitt der Pavillons auf dem Europaplatz den entscheidenden Hinweis auf das Versteck. Wer am schnellsten vor Ort ist, darf den Catch behalten.

Ist doch eh alles fake 

Manchmal sei das Geld ganz schnell weg und Leute, die kurz nach dem Fund ankommen, blieben dann oft frustriert zurück. „Besonders ärgerlich ist es, wenn diese Leute dann unter die Reels schreiben, die Videos seien fake oder ich würde die Fans nur verarschen. Das schadet dem ganzen Prinzip ‚Cash Catch’, wenn so etwas behauptet wird”, erzählt er. „Wahrscheinlich gibt es Accounts, die Drops faken, aber ich zu 100 Prozent nicht.” Mittlerweile machen die Cash-Catch-Accounts anderer Städte Revealvideos. Dabei stellen sie sich nach dem Post des Drops in die Nähe und filmen den Spot heimlich ab, bis die erste Person sich das Geld holt. Dabei zeigt sich: Meistens sind innerhalb weniger Minuten die ersten Menschen da und schnappen sich das versteckte Gut. Die Revealvideos wirken dabei nicht nur als Beweis, dass wirklich etwas versteckt wurde, sondern durch den zusätzlichen Post natürlich auch als Möglichkeit, mehr Menschen zu erreichen. Aber wer dem Ganzen nicht glauben möchte, findet einen Weg, dem eigenen Unmut Ausdruck zu verleihen. Solche Revealvideos soll es bald auch auf dem Kieler Account geben. 

Eingepackt wie für den Drogenverkauf 

Mittlerweile hat der Kanal auch seine erste Kooperation auf die Beine gestellt. Verlost wurden vier Karten für das Max Nachttheater, die ebenfalls innerhalb weniger Minuten weg waren – trotz Regens. Manchmal fürchtet er sich aber auch vor unangenehmen Situationen: „Wenn ich minutenlang irgendwo rumstehe, weil ich nach dem besten Versteck suche und mich Leute dabei von einer Bank in der Nähe beobachten, frage ich mich schon manchmal, ob man von mir denkt, ich sei Drogenkurier oder sowas. Aber bisher ist es noch zu keinem wirklichen Aufeinandertreffen gekommen.” Besonders, als er die Gutscheine in einen kleinen Plastikbeutel verpackt hat, hätte schnell ein falscher Eindruck entstehen können. Die Verstecke wählt er dabei nicht komplett ohne Überlegungen aus. Er versucht erstmal, in möglichst allen Gegenden in Kiel Geld zu verstecken. „In der Zukunft wird es bestimmt mal dazu kommen, dass ich an Orten verstecke, an denen ich vorher schon mal war. Aber vorher versuche ich, das fair in ganz Kiel zu verteilen”, sagt er dazu. Auf das Stadtgebiet von Kiel will er sich dabei nicht unbedingt beschränken. Auch das Umland oder Städte wie Neumünster kann er sich vorstellen. „Ich habe in einer Story gefragt, wo die Menschen herkommen, die @cashcatchkiel folgen. Da kamen auch viele aus Neumünster oder anderen Orten außerhalb Kiels. Wenn sich da kein eigener Account entwickelt oder es Anfragen aus Neumünster gibt, kann ich mir auch vorstellen, dort Geld zu verstecken.” Den passenden Cash-Catch-Accountnamen für Flensburg hat er sich auch schon gesichert. In Zukunft soll es dann auch dort losgehen, sobald er und sein Kollege die Zeit dafür haben. 

Nicht an die große Glocke hängen 

Für das Drehen eines Reels braucht er rund zehn Minuten. Dabei probiert er verschiedene Perspektiven aus und muss natürlich am besten wackelfrei filmen. Dass in den Reels selten Menschen im Hintergrund zu sehen sind, ist kein Zufall. Zum einem möchte er nicht ungefragt andere Menschen filmen. Zum anderem soll natürlich auch niemand mitbekommen, dass er da gerade Geldscheine hin klebt, und einfach vorbeilaufen und es mitnehmen, ohne den Account und das Spielprinzip dahinter zu kennen. Währenddessen wissen nur seine Freundin und ein befreundeter Arbeitskollege, dass er hinter dem Account steckt. „Meine restliche Familie weiß nichts davon. Ich hätte auch keine Lust, mich da erklären zu müssen.” Der Arbeitskollege hilft ihm momentan unter anderem auch beim Sichten von Anfragen von Kooperationspartner*innen. Da seien auch einige fragwürdige Anfragen dabei. Die lehne er lieber ab, aber er habe auch momentan genug Partner*innen, mit denen er zusammenarbeiten kann. Denn den Trend gibt es nicht nur mit Geld. Auch andere Firmen springen auf den Trend auf und verstecken dann statt Geld einfach ihre eigenen Produkte.  

Über die Zukunft und den weiteren Verlauf des Kanals macht er sich derweil wenig Sorgen. Er erzählt abschließend: „Es kann sein, dass der Cash-Catch-Trend in ein paar Wochen oder Monaten wieder vorbei ist, aber das ist okay. So viel Geld habe ich nicht investiert. Ich habe dann selbst dran Spaß gehabt und den Follower*innen hoffentlich ihre Stadt ein bisschen nähergebracht. Aber wenn es weiterhin so gut läuft, bin ich hochmotiviert, weiterzumachen!” 

Autor*in
Chefredakteur

Finn ist seit Februar 2024 Chefredakteur des ALBRECHTs. Zuvor hat er ein Jahr lang das Kulturressort geleitet. Er studiert seit dem Wintersemester 20/21 Englisch und Geographie auf Lehramt und ist seit dem WiSe 22/23 Teil der Redaktion.

Autor*in
Stellv. Chefredakteur und Layouter

Joschka studiert seit dem Wintersemester 20/21 Soziologie und Politikwissenschaft und ist seit Ende 2022 Teil des Albrechtsteams. Dazu leitet er seit dem März 2023 das Layoutteam und ist seit Februar 2024 stellvertretende Chefredaktion.

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